Administration und Streckenzertifikate

Regelwerk
CR 10: Für Veranstaltungen gemäß den Definitionen „Internationale Wettkämpfe“, bei denen Straßenwettbewerbe ganz oder teilweise außerhalb des Stadions stattfinden, ist ein internationaler Straßenstreckenvermesser zu berufen, der die Strecke bestätigt. Er muss ein Mitglied der WA-/AIMS-Liste der internationalen Straßenstreckenvermesser (Grade A oder B) sein.
Nationale Bestimmungen:
Für Veranstaltungen, die der DLV, ÖLV oder ein LV, SwA oder ein LV genehmigt, kann die Strecke auch von einem Straßenstreckenvermesser Grade C vermessen werden.
Technical Rules TR 55.3 Anmerkung 5:
Ein zertifiziertes Straßenstreckenprotokoll ist fünf Jahre gültig. Danach ist die Strecke neu zu vermessen, auch wenn sich offenbar keine Änderungen ergeben haben.
Nationale Bestimmungen: Es ist ein Vermessungsprotokoll mit Streckenskizze anzufertigen, das am Tag des Wettkampfs dem Wettkampfleiter/der Verbandsaufsicht/ dem Verbandsdelegierten zur Kontrolle von Streckenverlauf und -länge zur Verfügung stehen muss. Die Anerkennung der vermessenen Strecke bleibt dem Nationalen Verband vorbehalten.

Internationale Administration
World Athletics (WA) organisiert in seiner Funktion als Weltverband auf der Grundlage des Regelwerks den Einsatz von internationalen Streckenvermesser mit Hilfe der Vereinigung der internationalen Marathonveranstalter und Langstrecken (AIMS). WA akkreditiert die int. Streckenvermesser (Grade A + B) auf Vorschlag von AIMS. Die AIMS ist verantwortlich für die Aus- und Fortbildung in Seminaren aller weltweit agierenden Streckenvermesser, und zwar in Abstimmung mit allen nationalen Verbänden und empfiehlt diesen die Akkreditierung der nationalen Streckenvermesser. Sie überwacht die regelbasierte Durchführung der Streckenvermessungen auf internationaler Ebene und zertifiziert mit Hilfe der vier Administratoren die vermessenen Strecken:

Amerika: Bernie Conway (USA) / measurer[at]rogers.com
Asien/Ozeanien: Dave Cundy (AUS), technischer Direktor AIMS
cundysm[at]ozemail.com.au
Europa/Afrika (französisch & spanischsprechender Teil): Jean-Francois Delasalle (FRA)  jeanfrancoisdelasalle[at]gmail.com
Europa/Afrika (englischsprechender Teil): Hugh Jones (GBR), Sekretariat AIMS / aimssec[at]aol.com

Die Zertifikate der vermessenen Strecken und deren Dokumentation in einem internationalen Vermessungsprotokoll werden von den für diese Region zuständigen Administratoren erteilt; der Streckenvermesser erhält für jede dokumentierte Strecke eine Register-Nummer mit Gültigkeitsdauer zugesandt.

Der Streckenvermesser sendet die erhaltenen Zertifikate an seinen Auftraggeber mit der Protokolldokumentation. Der Veranstalter oder der Streckenvermesser kann diese zur Registrierung in der DLV-Datenbank LADV an den nationalen Verband übermitteln.

Der Webmaster hat für diese Verfahrensweise ein internationales Vermessungsprotokoll als Musterverfahren entwickelt und stellt dieses den internationalen Streckenvermessern zum Download zur Verfügung.

United Kingdom (UK)
In Großbritannien wurde 1952 der Road Runners Club (RRC) gegründet. Er hat maßgeblich zur Entwicklung des Straßenlaufs beigetragen. Unter der Leitung von John Jewell entstanden die ersten Überlegungen zur Organisation der Streckenvermessung von Straßenwettkämpfen. In seinen ausführlichen Notizen vom Juni 1961 beschreibt er die Anforderung und Problemstellung zur Ermittlung der Streckenlängen von Wettkämpfen auf der Straße.

Mitte der 1980er Jahre entstanden dann in Großbritannien die ersten Verbandsstrukturen für Streckenvermesser. Unter der Leitung von John Disley fanden Seminare zur Aus- und Fortbildung statt und es wurde die Akkreditierung der Streckenvermesser geregelt. Mitte 1990 wurden rund 130 akkreditierte Streckenvermesser in zwei Graduierungsstufen gezählt. In Abstimmung mit der Gruppe der Streckenvermesser beschloss der britische Leichtathletikverband, dass ab dem 01.01.1989 für alle Leichtathletikmeisterschaften auf der Straße und die TOP 100 Läufe ein Streckenzertifikat auf der Grundlage der von der IAAF vorgegebenen Vermessungsmethode „shortest possible route“ mit einem Jones-Counter vorliegen muss.

Heute wird in Großbritannien die Streckenvermessung auf der Straße von der „Association of UK Course Measurers“ (AUKCM = LTD) organisiert; vier Ländergeschäftsstellen organisieren die Akkreditierung, Aus- und Fortbildung sowie die Genehmigungsverfahren für die vermessenen Strecken auf den britischen Inseln.

USA
In den USA ist das RRTC (Road Running Technical Council) der Dachverband für die Straßenstreckenvermesser und vom nationalen Verband USATF als Einrichtung anerkannt. Der RRTC gewährleistet das Knowhow und die Qualitätssicherung aller Arbeiten der Streckenvermessung auf der Straße, sorgt für die Akquirierung, Akkreditierung, Aus- und Fortbildung der Vermesser, bietet während der Tätigkeit Versicherungsschutz an und ist zugleich die Genehmigungsstelle für die in den Streckenprotokollen aufgeführten Wettkampfstrecken.

Beide Organisationen sind jeweils Bindeglied zwischen den Veranstaltern und den jeweiligen Leichtathletikverbänden. Sie definieren den Status der akkreditierten Streckenvermesser als unabhängige, selbstständige Dienstleister. Die Leichtathletikverbände haben keinerlei Weisungsbefugnis.

Für ihre Tätigkeit werden von Seiten der Streckenvermesser-Organisationen Empfehlungen für die Rechnungslegung herausgegeben. Sie dienen lediglich der Kostentransparenz gegenüber den Veranstaltern.

Deutschland
Im Bereich des DLV war bis 2009 der Sportfunktionär Jupp Vahle als DLV-Administrator für die akkreditierten Streckenvermesser tätig. Die Zertifizierung der vermessenen Strecken erfolgte durch Mitarbeiter der DLV-Geschäftsstelle (lediglich Regelprüfung ohne Qualitätskontrolle der durchgeführten Vermessung). Mit der Übernahme der Administration durch die Grade-A Streckenvermesser Udo Brandt und Karl Josef Roth erfolgte auch eine fachliche Prüfung im Rahmen der Zertifizierung.

Im Jahr 2013 hat das zuständige DLV-Gremium auf Wunsch der Administration das Zertifikats- und Verlängerungsverfahren bestätigt. Über die Gültigkeit von 5 Jahren für vermessene und dokumentierte Strecken hinaus können die Veranstalter zweimal eine Verlängerung beantragen, wenn an der Streckenführung keine Veränderungen vorliegen; ein Bestätigungsvermerk des Streckenvermessers ist erforderlich. Damit sind Strecken bzw. das Vermessungsprotokoll maximal 15 Jahre gültig.

Meilensteine in der Qualitätssteigerung waren die in der Folge durchgeführten Aus- und Weiterbildungsseminare sowie die Einführung des digitalen Vermessungsprotokolls. Es wurde eine fachspezifische Website für die Vermesser und auch für die Veranstalter eingerichtet; der heutige Internet-Auftritt ist eine private Einrichtung des Webmasters und erfolgt nicht im Auftrag der nationalen Verbände.

Mit dem Ausscheiden von Brandt und Roth im Jahr 2024 hatte die Gruppe der 70 Straßenstreckenvermesser (darunter 14 Personen mit int. Akkreditierung) einen weltweit vorzeigbaren Qualitätsstandard erreicht.

Hinweis: Die Niederlegung der Streckenvermesser-Administration von Brandt und Roth ging einher mit Verbandsquerelen über die Tatsache, dass sich die nationalen Verbände wider besseres Wissen regulativ in die freiberufliche Tätigkeit und Rechnungslegung der Streckenvermesser eingemischt haben.

Seit dieser Zeit haben fast die Hälfte der langjährigen aktiven Streckenvermesser ihren Dienst aufgrund der Vertrauenskrise zum DLV eingestellt bzw. ihren Rücktritt erklärt.

Der neue DLV-Administrator Ackermann erscheint vielfach auf sich allein gestellt zu agieren. Informationen und Arbeitshilfen sind als Download zurzeit nicht oder nur sehr reduziert zu erhalten. Vom DLV liegt aktuell keine Liste der aktiven nationalen Streckenvermesser vor.

Im Gegensatz hierzu können sich die Veranstalter aktuell an die auf dieser Website gelisteten Streckenvermesser für eine Vermessung wenden.

Nationale Zertifikate
Für die von einem akkreditierten Streckenvermesser – dies kann im Übrigen auch ein nicht im Bereich des DLV wohnender nat. oder int. Vermesser sein – vermessenen Strecken können nationale Zertifikate mit einem Vermessungsprotokoll bei nationalen Verband DLV beantragt werden; die Initiative kann vom Veranstalter oder dem Streckenvermesser ausgehen: streckenvermessung[at]leichtathletik.de

Die Zertifikate werden in der DLV-Datenbank LADV für die Bestenlisten Fähigkeit erfasst.

Der Webmaster stellt seit 2005 Musterverfahren in Form von Formularvordrucken für nationale Vermessungsprotokolle allen Streckenvermessern zum Download zur Verfügung. Die aktuelle Version wurde bereits 2023 in der Form umgestellt, dass die im Protokoll dokumentierten Strecken, analog dem internationalen Verfahren, Einzelzertifikate erhalten können (Excel-Format) und für eine automatisierte Datenerfassung in LADV vorbereitet sind.

Die aktuelle DLV-Administration besteht auf einer extra Deckblattseite für das Testat der Zertifizierung. Damit werden dann alle vermessenen Strecken mit einer Registernummer zertifiziert. Diese Verfahrensweise ist nach Auffassung des Webmasters nicht für eine geordnete digitale Datenzuordnung der Einzelstrecken geeignet. Sie erfolgt nicht analog der internationalen Verfahrensweise der Einzelzertifikate.

Hinweis und Empfehlung an den nationalen Verband:
Er wird im Rahmen einer z.B. maximalen Laufzeit von 15 Jahren sehr unübersichtlich, welche Strecken mit welchen Zertifikaten behaftet sind, wenn die eine oder andere Änderungsmessung für einzelne Strecken in der Laufzeit erfolgt. Einzelzertifikate für Strecken sind hier für die digitale Erfassung in Datenbanken der richtigere Weg;

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