Die Erfindung
Der Bericht von John Jewell aus dem Jahr 1961 beinhaltet auch eine eingehende Betrachtung, mit welchem Messgerät die Wettkampfstrecke auf der Straße vermessen werden soll.
Das Fahrrad war schon zu diesem Zeitpunkt das favorisierte Gerät, die Strecke des Wettkämpfers auf der Straße abzufahren. Der Umfang des Reifens wurde „abgerollt auf die Straße“ vermessen. Nun wurde ein Zähler am Vorderrad montiert, welcher bei jeder Radumdrehung durch einen mechanischen Kontakt weitergedreht wurde. Das Ergebnis waren dann X Radumdrehungen. Mit dem Radumfang wurde dann die Länge berechnet.
Die schon damals in seinem Bericht intensiv betrachtete Fehlerbehaftung der Messung durch Temperatureinwirkungen (Luftdruck im Reifen) und andere Faktoren war beispielhaft und erinnert an das Vermessungsstudium mit den Vorlesungen zum Thema „Fehlerbetrachtung“ und „Ausgleichung“ derselben durch spezielle Verfahrensweisen.
Diesen Umstand berührte auch den Langstreckenläufer Alan Jones, der sich Gedanken um eine genauere Ermittlung der Strecken auf der Straße machte. Er entwickelte das kombinierte mechanische Zählgerät mit einem Getriebe auf der Radachse und einem „angedockten“ Rollenzähler von Veeder-Root; dieser Zähler ist heute noch der Standard und entstammt der damaligen industriellen Ermittlung vom Mengendurchfluss von Flüssigkeiten (Tanksäule) oder Umdrehungen (Industriewaschmaschinen oder Glücksspielautomaten) und ist heute auch noch in vergleichbaren Geräten als mechanisches Backup ohne Manipulationsmöglichkeit eingesetzt, da er nicht rückstellbar ist.
Jones-Counter • Modelle
Seit den 1970er Jahren werden verschiedene mechanische Counter-Modelle, basierend auf der Konstruktion von Alan Jones (USA), gebaut und eingesetzt. Das Messgerät wurde am Anfang mit einer 5-stelligen Rollenzählereinheit ausgestattet (Veeder-Root) und konnte linksseitig auf der Vorderradachse montiert werden.
Im Jahr 1990 übernahm der Streckenvermesser Paul Oerth, USA, die Produktion und entwickelte den „Jones/Oerth-Counter“ mit 5- und 6-stelligen Anzeigeeinheiten für die Linksmontage am Rad.
Im Jahr 2000 stellte der kanadische Streckenvermesser Laurent Lacroix einen Counter mit mechanischer Welle zwischen Mitnehmereinheit und Zähl- und Ableseeinheit vor. Die Montage der Zählereinheit am Fahrradlenker ermöglicht eine komfortable Ablesung.
In der Folgezeit wurde das Messgerät weiter modifiziert mit einer Mitnehmereinheit auf der Radachse aus Kunststoff; der Streckenvermesser Stephen Oerth (USA) brachte den Counter als Achsmodell und als 5/ 6-stelliges Lenkermodell in Umlauf.
Die erste Neuentwicklung nach über 35 Jahren wurde im Jahr 2008 von den Streckenvermessern Tom und Pete Riegel (USA) vorgestellt. Das Gerät wurde als Jones/Riegel-Counter produziert und mit 5/6-stelliger Anzeigeeinheit vermarktet; als Ergänzung wurde 2012 erstmals ein rechtsseitig montierter Counter mit 5-stelliger Anzeigeeinheit vorgestellt.
Heute erfolgt der Vertrieb durch den amerikanischen Streckenvermesser Mike Wikiser (Grade A). Es ist nur noch ein Modell mit 6-stelliger Anzeige für die rechte Montageseite erhältlich.
Die zweite Neuentwicklung präsentiert der walisische Streckenvermesser Phil Cook (Grade A) als Cook-Jones Counter mit 5-stelliger Anzeigeeinheit seit 2017 (als Modelle für Links- oder Rechtsmontage).
Die Tatsache, dass neue Fahrräder mit Scheibenbremsen und/oder einem Fahrrad-Achsdynamo ausgerüstet sind, bewog die deutschen internationalen Streckenvermesser Hans-Peter Schneider (Grade B) und Karl Josef Roth (Grade A), eine dritte Generation des Jones-Counter im Jahr 2023 zu entwickeln. Die bewährte Zählereinheit von Veeder-Root (USA/BRA) ist auf einem 3D-Montageblock auf der Radachse rechtsseitig montiert. Die Getriebekopplung erfolgt mit der Justage des Mitnehmerzahnrads und des unabhängig montierten 3D-Zahnrads an den Speichen des Vorderrads.
Die Zukunft des Jones-Counter • analog oder digital
Allen aktuell verfügbaren Jones-Counter Modellen gemeinsam ist die Tatsache, dass die mechanischen Rollenzähler in der Zukunft vermutlich ein Auslaufmodell sein werden.
Die Beschaffungskosten für den Rollenzähler von Veeder-Root im internationalen Geschäftsverkehr stellen eine hohe finanzielle Hürde für die Entwickler und den Vertrieb dar (über 150 EUR/Counter). Betrachtet man hierbei die Wirtschaftlichkeit, wird der Jones-Counter in der mechanischen Form zu einem Liebhaberobjekt mutieren und stellt die Verfügbarkeit für die weltweit agierenden Streckenvermesser in der Zukunft durchaus in Frage.
In den technischen Regeln von World Athletics steht unter TR 55.3 in Anmerkung 1 „Zur Vermessung ist die »kalibrierte Fahrrad-Messmethode« anzuwenden“. Bis heute ist diese Messmethode nur mit dem beschriebenen Jones-Counter und seinen hierzu produzierten Upgrades umzusetzen.
Der Jones-Counter ist ein bewährtes standsicheres Zählgerät, aber immer noch mechanischer Natur. Die elektronische Variante mit reiner Anzeige oder Datenspeicherung ist noch nicht abschließend erfunden bzw. im Dauerbetrieb getestet.
Es gibt Überlegungen von Streckenvermessern hierzu. Aber bei der relativ geringen Stückzahl der für die Vermessung erforderlichen Geräte und der hohen Standsicherheit und geringen Ausfallquote lohnt sich bis heute kaum eine industrielle Entwicklung in die digitale Technik.
Die Zeit wird zeigen, inwieweit es weiterhin möglich sein wird, an einem modernen Fahrrad einen mechanischen Jones-Counter zu montieren und damit in der Zukunft die vorgeschriebene Messmethode zu erfüllen.
