Die Dokumentation

Vermessungsprotokoll – Measurement Report

Rückblick
Für den Streckenvermesser gab es bis in die 1970er Jahre weltweit keine eindeutigen Standards für die Dokumentation der Straßenmessung von Wettkampfstrecken. Das Regelwerk entwickelte in den 1960er Jahren auf der Grundlage der Schriften von John Jewell (GB) und Ted Corbitt (USA). Die Erfindung des Jones-Counter im Jahr 1971 markiert einen Meilenstein in der Messmethodik und die Marathonvermessung bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal/Kanada sind der Auslöser für eine regelbasierte und genormte Streckenvermessung. Die Kooperation des damaligen Leichtathletikweltverbandes IAAF – heute World Athletics – mit der AIMS (Association of International Marathons and Road Races) im Jahr 1982 führt im Wesentlichen zu den heute noch weitgehend unveränderten Regeln für die Straßenstreckenvermessung und auch deren Dokumentation.

Das DLV-Vermessungsprotokoll (int. Measurement Report) bestand bis etwa zur Jahrtausendwende aus einer Loseblattsammlung in den unterschiedlichsten Papierformaten (Din A3 – 4 Seiten gefaltet oder Din A4). Der DLV stellte bis 2012 den Vordruck 2.13/93 im Format Din A3 zur Verfügung (für Schreibmaschine oder von Hand auszufüllen).

Die erste Seite enthielt die allgemeinen Angaben zur Veranstaltung, die zu vermessenden Strecken, die Bestätigung des Vermessers sowie die verbandliche Genehmigung und die Gültigkeitsdauer. Die Beschreibung der Strecken erfolgte auf Seite 2 und die Kalibrierung des Jones-Counter wurde auf Seite 3 nachgewiesen. Die Messwerte und deren Auswertung erfolgte auf Seite 4; weitere Anlagen vervollständigten den Protokollnachweis.

Die Streckenkarten, Skizzen und Pläne wurden weitgehend mit der Hand gezeichnet; kopierte Kartenwerke mit handschriftlichen Eintragungen ergänzten die Angaben.

Diese Art der Dokumentation war den damaligen Möglichkeiten geschuldet und war auch die Reduktion auf das Wesentliche. Dabei blieb oftmals die Übersichtlichkeit oder das Nachvollziehen der Mess- und Auswertevorgänge auf der Strecke.

Die Dokumentation wurde dann als Brief auf den Postweg gebracht. Dem Streckenvermesser stand es anheim, sich eine Kopie der wesentlichen Informationen i.d.R. in handschriftlicher Form oder später mit dem Fotokopierer zu erstellen.

Die verbandliche Streckenaufsicht und auch der Veranstalter waren mit diesen, nicht genormten Dokumentationen, oftmals überfordert und Nachfragen bei dem Protokollanten waren nicht unüblich.

Mit der technischen Revolution im Bürosektor waren das Faxgerät, der Kopierer, später der PC mit Office- und Grafiksoftware, der Nadel-, Tintenstrahl- oder später Tonerdrucker das Maß der Dinge. Diese Hilfsmittel standen aber auch nicht jedem Streckenvermesser direkt zur Verfügung oder war schlichtweg zu teuer.

Da handschriftliche oder mit Schreibmaschine ausgefüllte Formulare aus der Zeit gefallen und heute weltweit nicht mehr zugelassen sind, ist eine halbautomatisierte Erstellung mit Software-Produkten am PC oder Laptop der aktuelle Stand der Dinge. Auch die handschriftliche Berechnung der Ergebnisse oder später mit einem Taschenrechner ist per du, die Tabellenkalkulation mit Office-Software ist der Standard.

Mit der Hand gezeichnete Streckenskizzen auf ausgedruckten Landkarten sind Geschichte. Hier sind Web-Produkte wie „Google Maps“ oder „Openstreetmap“ der Standard und somit erfolgt die Erstellung von Streckenplänen in der digitalen Welt. Hierzu sind regelmäßig Layout-Programme sinnvoll und notwendig, um den mittlerweile geforderten „Standard“ zu erfüllen.

Schematischer Aufbau des Vermessungsprotokolls
Seite 1: Allgemeine Angaben mit Konformität zum Regelwerk, Messteam und Testat des                         Streckenvermessers
Seite 2: Nachweis der Kalibrierungs- und Eichstrecke
Seiten 3 ff: Kalibrierung des Jones-Counter mit Tageskonstante(n), Nachweis der Messdaten für die vermessenen Strecken- und Streckenteile mit Auswertung und Anpassung der Strecke
Seiten ff: Beschreibung der Strecke mit Abbiegehinweisen und Kilometrierung
Skizzen der Zwangsbedingungen: Start, Ziel, Wende(n), Absperrungen usw.
Skizze zur Streckenvermessung mit Messpunkten und Teilstrecken (optional)
Streckenplan mit Linienführung und allen Zwangsbedingungen (unmaßstäblich)

Vom analogen zum digitalen Protokoll
In den international agierenden Leichtathletikverbänden waren und sind bis heute oftmals innovative Einzelkämpfer (akkreditierte Streckenvermesser) unterwegs, die für die anfallenden Arbeiten gewisse Standards in den folgenden Jahrzehnten entwickelten. Das Regelwerk wurde in der beschriebenen Zeit bis heute nur unwesentlich modifiziert.

In den internationalen Schriften sind Beispiele der Dokumentation von Vermessungen beschrieben und abgebildet. Der Standard aber ist immer noch, dass der „Measurement Report“ ein vielfältiges Erscheinungsbild zeigt und auch oftmals vielfach mit prosaischen Texten ergänzt und tlw. überfrachtet daherkommt.
Hier ist noch ein wenig Luft nach oben, um möglichst genormte „Reports“ zu ermöglichen.

Die erste und bis heute einzigartig formularbasierte Möglichkeit der Erstellung eines Vermessungsprotokolls wurde bereits in den 2000er Jahren vom Webmaster in Zusammenarbeit mit dem DLV-Administrator „Jupp“ Vahle auf Basis des im Rückblick beschriebenen DLV-Vordrucks erstellt. Das Aussehen der Vordrucke veränderte sich erst im Jahr 2013 mit der verbindlichen Einführung eines digitalen Vermessungsprotokolls im Verbandsgebiet des DLV; bis zum Auslaufen des Vermessungsvordrucks 2012 war der digitale Ansatz eine „Kopie“ der Formulare.

Die Weiterentwicklung von Microsoft Word und Excel (der „Office-Standard) erforderte auch immer viele Updates, insbesondere für den Din A4-Druck unter den Gegebenheiten der PC-Welt mit den Standards „Microsoft“ und „Apple“; die heute Linux-basierten Office-Produkte sind vollständig mit den aktuellen Formularvordrucken kompatibel.

Der Report in deutscher und englischer Sprache
Der aktuelle Formularsatz ist mit der Standard-Software von Microsoft Office entwickelt.

Formular Format „Excel“
Die Basisdatei für das Protokoll bildet heute ein Formular im Format „Excel“ mit den allgemeinen Daten zur Vermessung, der Veranstaltung, der Vermessung der Eichstrecke und dem rechnerischen Nachweis der Messergebnisse und deren Auswertung. Die zellenstrukturierte Datei hat den eindeutigen Vorteil, dass nur die Datenfelder angesprochen werden müssen, die die Informationen und Messergebnisse sowie die Auswertung enthalten. Ein „offener“ Formularschutz ohne Kennwort ermöglicht eine zügige Erfassung der notwendigen Daten. Die Zellen erzeugen mit der Vorformatierung ein einheitliches und richtiges Schriftbild der eingegebenen Werte.

Das Tabellenblatt „Seite 1“ enthält allgemeine Angaben, die Prüfbescheinigung zum Regelwerk, die Bestätigung, Hinweise und Notizen des Streckenvermessers.
Es kann – je nach Anwendungsfall (1 bis 4 vermessene Strecken) – mit vier vorbereiteten Tabellenblättern als Seite 1 generiert werden. Es ist das Tabellenblatt auszuwählen, welches dem Anwendungsfall entspricht. Sollte die Vermessung mehr als 4 Strecken beinhalten (sehr selten), kann ein entsprechendes Tabellenblatt zusätzlich generiert werden.

Das Tabellenblatt „Seite 2“ beinhaltet die Messung und Dokumentation der Eichstrecke.

Die Tabellenblätter „Seite 3 ff“ sind für die Erfassung der Kalibrierdaten und der Messergebnisse vorbereitet und hier kann auch die Auswertung der vermessenen Strecken erfolgen.

Formular Format „Word“
Diese Datei ist für den beschreibenden Teil der vermessenen Strecken, den Nachweis von Start und Ziel sowie Skizzen für Wendepunkte und erforderliche Absperrungen vorgesehen. Die Streckenbeschreibung ist nach Regelwerk als ergänzende Dokumentation zum Streckenplan zu verstehen.

Der exakte Nachweis der Kilometer-Punkte ist normativ nicht Gegenstand der Dokumentation; im Rahmen des Services des Vermessers kann eine Fotodokumentation dem Veranstalter in anderer Form zur Verfügung gestellt werden.

Streckenplan
Die Dokumentation der Streckenführung mit dem vermessenen Korridor muss nach dem Regelwerk so genau sein, dass aufgrund des Streckenplans jederzeit eine Nachmessung durch die von den Verbänden berufenen Offiziellen erfolgen kann bzw. die Möglichkeit der Überprüfung der Vermessung auf ihre Richtigkeit gegeben ist.

Die Streckenpläne für die vermessenen Straßenstrecken sind wesentlicher Bestandteil der Dokumentation. Im Plan werden die Streckenführung, Absperrungen, besondere Korridore und die Kilometerpunkte mit Start und Ziel sowie die erforderlichen Wendepunkte dargestellt.

Die Dokumentation erfolgt regelmäßig ohne Maßstab. Pläne und Skizzen zu Stationierungspunkte (Start, Ziel, Wendepunkte, Absperrungen etc.) und die Streckenpläne können mit eigenen Zeichnungen oder mit digitalen Daten erstellt werden. Manuell erstellte Zeichnungen können eingescannt und als Bilddateien im Format „jpg“ erstellt werden.

Es ist für den Vermesser von Vorteil, wenn er seine Messanordnung und Stationierung in einem Vermessungsplan dokumentiert. Er kann Teil der Dokumentation und für spätere Streckenanpassungen oder Nachfragen hilfreich sein.

Bei extern generierten Kartenunterlagen sind Copyright-Richtlinien zu beachten. Im Falle von webbasierten Anwendungen wie z.B. www.openstreetmap.org ist dies der Hinweis: 
© www.openstreetmap.org contributors

Zusammenhängende Protokolldatei
Die Ableitung der Tabellenblätter und Streckendokumentation (Din A4 formatierten Dateien) sowie Skizzen und Pläne erfolgt als druckfähige PDF-Dateien. Die Office-Produkte bieten diese Ableitung im Programm an. Layout-Programme für Pläne und Skizzen müssen hier entsprechend eingestellt werden.

Die einzelnen PDF-Dateien können dann mit Hilfsprogrammen als zusammenhängende PDF-Datei zusammengefasst werden. Die Seitennummerierung ist möglichst zu beachten, um eine strukturierte Dokumentation zu erstellen. Die Hilfsprogramme haben oftmals die Möglichkeit, die PDF-Dokumentation zu komprimieren. Die Dateigröße ist wesentlich von den eingefügten Bildern oder den Kartenhintergründen abhängig. Für den digitalen Versand ist es von Vorteil, wenn die Dateigrößen möglichst kleiner als 10 Megabyte generiert werden. Dabei ist die Lesbarkeit der komprimierten Datei auf dem Bildschirm bzw. durch einen Probeausdruck zu prüfen.

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