Antike
Betrachtet man die Erkenntnisse in der Antike zum Thema Streckenvermessung, kommt man an den griechischen Gelehrten Aristoteles (4 Jh. v. Chr.) und Eratosthenes von Kyrene (3 bis 2. Jh. vor Chr. – Philosoph und Mathematiker) nicht vorbei. Erathostenes war Bibliothekar von Alexandria und begründete die wissenschaftliche Geografie u.a. mit seinen Messungen zur Bestimmung des Erdumfangs. Er näherte sich mit seinen Berechnungen bis auf ca. + 5 % des tatsächlichen rechnerischen Erdumfangs.
Renaissance
Im späten 15. Jh. zeichnet Leonardo da Vinci einen Gerätewagen, der Wegstrecken mit einem komplexen Getriebe und Zahnrädern für topografische Karten vermessen kann. Mit der Fortbewegung der Karre konnten mit den „ausgeworfenen Steinen“, bezogen auf die Radumdrehungen, Streckenlängen berechnet werden. Die Konstruktion von Leonardo da Vinci zeigt ein verlässliches mechanisches System zur Distanzmessung. Dieser Odometer kommt dem heute verwendeten Jones-Counter sehr nahe.
Notizen zur Vermessung von Straßenstrecken
Juni 1961, von John Jewell, Präsident Road Runners Club (RRC), United Kingdom
Im Regelwerk der IAAF war zu dieser Zeit definiert, dass die Wettkampfstrecke 1 Meter vom Straßenrand zu vermessen ist; die Methodik war nicht benannt. Es war zu dieser Zeit vermutlich üblich, ein handgesteuertes Vermessungsrad, wie es heute noch bei Unfallaufnahmen durch die Polizei erfolgt, zu benutzen. Über die Genauigkeit dieser Methode gab es keine Informationen bzw. Abhandlungen.
John Jewell‘s erste Feststellung war, dass – wie in der Geodäsie gelehrt – eine Messung immer mit einem spezifischen Fehler behaftet sein wird, und zwar in Abhängigkeit von dem verwendeten Messgerät und der Messmethode.
Die nächste Aussage war bestimmt von der Wiederholbarkeit von Messungen derselben Strecken und der Bestimmung eines genäherten Mittelwertes; dabei wurde der zufällige Fehler einer Messung erheblich eingeschränkt. Der nächste Schritt war die Frage, wie genau die Messung der Straßenstrecke sein muss. Da zu dieser Zeit die Straßenläufe auf 1 Minute genau gestoppt wurden, kam Jewell zum Schluss, dass der Fehler der Strecke geringer sein sollte als die Distanz, die ein Athlet in einer halben Minute zurücklegen kann. Dies führte dann zu einem Katalog der zulässigen Längenfehler bei unterschiedlichen Streckenlängen (ca. 9,6m/km beim Marathon = ca. 157m = 0,37 %). Die weltweite Methodik war neben der Messradmessung die aufwendige Methode mit 50 oder 100m langen Stahlmaßbändern. Der Aufwand und die Praxis wurden als grenzwertig angesehen und nur für den Notfall empfohlen. In der Folge stellte Jewell fest, dass für alle Messmethoden die bekannte Länge einer Referenzstrecke erforderlich ist, auf der das benutzte Messgerät geeicht werden kann. Tests mit Handmessrädern zeigten keine ausreichende Genauigkeit.
Als Schlussfolgerung stellte John Jewell fest: „Die Grundmethode besteht darin, mit einem Fahrrad zu fahren, das mit einem Zähler ausgestattet ist, der die Anzahl der Umdrehungen eines der Räder über die zu messende Strecke anzeigt. Unmittelbar vor, während oder unmittelbar nach der Messung wird das Fahrrad über eine bekannte und sehr genau gemessene ‚Standarddistanz‘ gefahren, und aus den erhaltenen Messwerten wird die Anzahl der Radumdrehungen pro Meile berechnet. Dies wird zu einer ‚Konstante‘ für den jeweiligen Messanlass, und diese Konstante wird verwendet, um die tatsächlichen Entfernungen von den Drehzahlzählern zu berechnen.“
Die heute gültige Messmethode nach den internationalen technischen Wettkampfregeln TR 55.3 war definiert und geboren.
„Der Zähler erfasst die tatsächliche Anzahl der Umdrehungen des Rads und wandelt die Messwerte nicht, wie beim Zyklometer, in Meilen und Bruchteile einer Meile um. Die RTTC hat mehrere Arten von Countern ausprobiert, aber nur einer, der 5-Sterne-Typ von Veeder-Roots Limited, hat sich als zufriedenstellend erwiesen.“
Der Rollenzähler, der die Anzahl der Radumdrehungen zählte, war auch von dem Hersteller Veeder-Root, einem bewährten Gerät der vielen Jones-Counter Modelle.
John Jewell schreibt abschließend: „Die kalibrierte Fahrradmethode erfüllt somit die Anforderungen für die Messung von Straßenrennstrecken und ist umfassend zu empfehlen.“
