Vermessungsprotokoll und Regelwerk
Die TR 55.3 definiert in Anmerkung 5: Ein zertifiziertes internationales Straßenstreckenprotokoll ist fünf Jahre gültig. Danach ist die Strecke neu zu vermessen, auch wenn sich offenbar keine Änderungen ergeben haben.
Nationale Bestimmungen:
Es ist ein Vermessungsprotokoll mit Streckenskizze anzufertigen, das am Tag des Wettkampfs dem Wettkampfleiter/der Verbandsaufsicht/ dem Verbandsdelegierten zur Kontrolle von Streckenverlauf und -länge zur Verfügung stehen muss. Die Anerkennung der vermessenen Strecke bleibt dem Nationalen Verband vorbehalten.
Ein Vermessungsprotokoll unterteilt sich grundsätzlich in:
- Seite 1: Allgemeine Angaben mit Konformität zum Regelwerk, Messteam und Testat des Streckenvermessers
- Seite 2: Nachweis der Kalibrierungs- und Eichstrecke
- Seiten 3 ff: Kalibrierung des Jones-Counter mit Tageskonstante(n), Nachweis der Messdaten für die vermessenen Strecken- und Streckenteile mit Auswertung und Anpassung der Strecke
Seiten ff: Beschreibung der Strecke mit Abbiegehinweisen und Kilometrierung Skizzen der Zwangsbedingungen: Start, Ziel, Wende(n), Absperrungen usw. - Skizze zur Streckenvermessung mit Messpunkten und Teilstrecken (optional)
- Streckenplan mit Linienführung und allen Zwangsbedingungen (unmaßstäblich)
Kilometrierung
Regelwerk TR 55.4: Die gelaufene Strecke (vom Start ausgemessen) ist für alle Athleten an jedem vollen Kilometer anzuzeigen.
Diese Regel bezieht sich auf die Durchführung der Veranstaltung. Viele Veranstalter sind bemüht, die Laufkilometer in den Streckenplänen und auch in der Örtlichkeit den Teilnehmern exakt anzuzeigen. Im Regelwerk wird über die Genauigkeit keine Aussage gemacht.
Aus der langjährigen Praxis:
Nach den Erfahrungen und als Teilnehmer von nationalen und internationalen Straßenläufen führt eine örtliche Anzeige der Kilometerpunkte (oder in den USA der Meilenpunkte) mit einer Genauigkeit von plus minus 5 – 10 Metern zu geringen Reklamationen von Teilnehmenden.
Mit dem Einzug der Streckenvermessung in die Straßenwettbewerbe in den 1980er Jahren waren die Methoden der Darstellung in Karten und Plänen qualitativ sehr eingeschränkt. Heute ist mit den aktuell verfügbaren webbasierten Kartenwerken ein Quantensprung zu verzeichnen.
Die Qualität der Anzeige der Kilometer in den Karten und Plänen sowie in der Örtlichkeit kann durch die Einbeziehung des beauftragten Streckenvermessers erheblich verbessert werden.
Der Vermesser kann mit der Messanordnung und zusätzlichen Messpunkten die spätere Kilometrierung der Strecke sehr gut vorbereiten. Oftmals zeigt sich hier auch eine intensive Vorbereitung der Vermessung von Vorteil. Es können Mehrfachmessungen vermieden und kurze Wege für die spätere Kilometrierung durch den Vermesser oder den Veranstalter definiert werden.
Die Anzeige in den Plänen der Dokumentation und für Zwecke des Veranstalters (webbasierte Streckenpläne oder Druckerzeugnisse) kann durch zusätzliche Messpunkte und Bestimmung von Teilstrecken optimiert werden. Mit internetbasierten Werkzeugen (z.B. Google Maps) können ergänzende Teilstrecken für die Kilometrierung vermessen werden und die Anwendung „Street View“ bietet heute die Möglichkeit, die Beschreibung der Kilometerpunkte nahe an der Originalsituation zu beschreiben oder zu dokumentieren.
Aus der Praxis für nationale Vermessungen:
Es ist nicht immer möglich, die Kilometrierung am gleichen Tag wie die Streckenvermessung selbst durchzuführen. Die Berechnung der Teilstrecken zu den KM-Punkten erfolgt dann im Nachgang und wird dem Veranstalter mit einer tabellarischen Liste mit Teilstrecken bis zu den Kilometerpunkten (Pluswerte in Laufrichtung / Minuswerte gegen die Laufrichtung) und einen entsprechenden Plan mit Mess- und Kilometerpunkten zur Verfügung stellen. Damit entfallen, je nach Anforderung, zusätzliche Reise- oder aber Übernachtungskosten für den Vermesser. Der Veranstalter kann dann vor dem Veranstaltungstag die KM-Punkte mit Hilfe von Messband, Messrad oder ggf. mit Schrittmaß vermessen und markieren.langjärigen
Zusätzliche Messpunkte
Ein bewährtes Mittel für Streckenvermessungen in größeren Städten ist die Anlegung und Vermessung von zusätzlichen Messpunkten auf dem Originalkurs. Durch Bauarbeiten kann es vorkommen, dass Streckenabschnitte z.B. durch temporäre Baumaßnahmen nicht genutzt werden können. Mit Hilfe dieser zusätzlichen Messpunkte kann der Streckenvermesser dem Veranstalter dann vor der Änderungsmessung relativ genau mitteilen, wie sich die temporäre Veränderung auf die erforderlichen Streckenlänge auswirkt. Die Änderungsmessung benötigt dann i.d.R. einen wesentlich geringeren Aufwand vor Ort für die Anpassung. Da diese Änderungsmessungen mehrfach vorkommen können, ist es hilfreich, wenn die Messdaten Jahrgangsweise erfasst werden. Die Teilstrecken sind dann, bezogen auf die jeweiligen Tageskalibrierungen, für neue Streckenkurse zu dokumentieren.
Aus der Praxis:
Der Zeitraum dieser Teilstreckenvermessungen sollte einen Zeitraum von 5 Jahren nicht überschreiten. Es ist dann ratsam, eine vollständige Neuvermessung der Teilstrecken, die für die Streckenkurse benötigt werden, mit einer Tageskonstanten vorzunehmen. Oftmals ist dann nur eine Kontrollmessung notwendig, wenn die Abweichungen zu der früheren Messung nicht größer als 0,8% der Streckenlänge betragen.
Digitale Dokumentation
Das Vermessungsprotokoll wird als PDF-Datei erstellt. Für den Mailversand sollte standardmäßig eine Dateigröße bis max. 10 Megabyte erstellt werden. Die Datei ist für die Unterlagen des Veranstalters und für die nationale oder internationale Zertifizierung erforderlich. Die Qualität kann mit einer Sichtkontrolle auf dem Mobilphone, Tablet oder PC-Bildschirm geprüft werden. Es kann sein, dass die enthaltenen Bildinformationen, z.B. Skizzen zur Einmessung von wichtigen Messpunkten, für einen Ausdruck nicht ausreichen. Aus diesem Grunde ist es hilfreich, wenn der Streckenvermesser dem Veranstalter die wichtigsten Skizzen, Bilder für die Zwangsbedingungen der Wettkampfstrecke „Start, Ziel, Wenden etc.“ in höherer Auflösung als Dateien zur Verfügung stellt. Das Protokoll kann auch in einer höheren Auflösung, und damit größeren Dateigröße abgeleitet und zur Verfügung gestellt werden. In diesen Fällen bietet sich nicht der Datentransfer mit Mail, sondern mit webbasierten Methoden wie z.B. „wetransfer.com“ an.
Aus der Praxis:
Wenn die Kilometerpunkte auch als Bilddatei vorliegen, können diese ebenfalls an den Veranstalter übermittelt werden.
